Dunkles Schicksal by Dunkles Schicksal

Dunkles Schicksal by Dunkles Schicksal

Author:Dunkles Schicksal [Schicksal, Dunkles]
Format: epub
Tags: BT Band 12
Published: 2011-01-25T20:06:54.859000+00:00


Landungsschiff Barbarossa, Transitorbit

Port Moseby, Virginia Shire, Vereinigtes Commonwealth

9. April 3052

Victor Steiner-Davion fühlte, wie sich ein bleiernes Netz um sein

Herz legte und es in die Tiefe zog. »Morgan, das kann nicht dein

Ernst sein!«

Der großgewachsene Marshai des Vereinigten Commonwealth

stand vor seinem Vetter und sah ihn überrascht an. »Und dieser

angebliche Plan soll dein Ernst sein? Du rufst mich hierher, damit

ich das begutachte?« Morgan hielt die Holodisk hoch wie ein

Stück Abfall. »Ich habe schon intelligentere Planungen für

Kriegsspielszenarien bei gemeingefährlichen Irren gesehen.«

Victor wurde rot. »Morgan, wir haben an diesem Plan gefeilt.

Meine Leute haben hart dafür trainiert. Unsere Kampfmoral ist

besser als je zuvor, und wir haben die volle Unterstützung des

Kombinats. Selbst Generalin Kaulkas hat den Plan abgesegnet.«

Morgan Hasek-Davion warf die Holodisk verächtlich auf seinen

Schreibtisch. »Na gut, du hast sie täuschen können, aber bei mir

gelingt dir das nicht. Wäre das ein Skript für Der ewige Krieger,

könnte ich möglicherweise einen Fetzen von Sinn entdecken. In

diesem Macho-Dreck kann der Held ganze Einheiten eigenhändig

auslöschen. Aber seit wann haben du und deine Leute ein

Superheldentraining absolviert? Das einzige, was uns das

einbringt, sind zwei auf Teniente festhängende Prinzen.«

»Nein, Morgan, du irrst dich.« Victor ballte krampfhaft die

Fäuste. »Der Plan kann funktionieren, und er wird funktionieren.

Gib uns nur eine Chance.«

»Im Krieg geht es nicht um Chancen, Victor. Im Krieg geht es

um tödliche Gewißheiten – vor allem die Gewißheit, daß

Menschen im Krieg sterben.« Morgans Blicke spien Funken. »Du

schickst ein verstärktes Bataillon mit bestenfalls unvollständiger

Information über den Feind auf eine Welt. Du kennst den Standort

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der zu entsetzenden Truppen nicht, aber du hast die Möglichkeiten

auf ein Dutzend verschiedene Orte auf dem nördlichen Kontinent

reduziert. Du hoffst darauf, daß Hohiro euch beim Anflug zur

nächstgelegenen Landezone lotsen kann. Aber du hast keine

Ahnung, ob die Sicherheit seiner Kommunikation gewährleistet ist,

oder auch nur, ob er nicht längst gefangengenommen und sein

Widerstand gebrochen wurde – nicht einmal, ob er überhaupt noch

lebt. Du könntest geradewegs in einen Hinterhalt fliegen.«

»Das würde stimmen, wenn wir als Feinde anfliegen würden. Du

hast den Plan gelesen. Sie werden nicht ahnen, daß wir eine

feindliche Einheit sind.«

»O ja«, höhnte Morgan, »ein Anflug mit getarnten

Landungsschiffen. Wirklich ein brillanter und narrensicherer

Plan.«

»Du hattest auf Sian auch nichts anderes«, schoß Victor zurück.

»Stimmt, aber die Unterschiede zwischen Sian und Teniente sind

kaum aufzuzählen.« Morgan hob die Hand und zählte an den

Fingern ab: »Maximilian Liao war erstens dumm und zweitens

verzweifelt; die Clans sind weder das eine noch das andere. Wir

flogen in Liaos eigenen Landungsschiffen ein; du benutzt unsere

Landungsschiffe mit neuer Bemalung. Wir hatten zwei der drei

wichtigsten Geheimdienstler Liaos in unserer Tasche; du hast

keinerlei Unterstützung im gegnerischen Lager. Reicht das, oder

muß ich weitermachen?«

Victor kochte vor Wut. Er wollte die Faust gegen die

Schottwand rammen. Frustriert riß er am Kragen seines Hemdes

und berührte versehentlich den steinernen Affen, den er als

Anhänger trug. Der stammte von Kai Allard, und Victor erinnerte

sich plötzlich daran, wie Kai ihm gesagt hatte, Sun Hou-Tzu solle

ihn beschützen. »Dieses Totem soll dich daran erinnern, immer du

selbst zu bleiben, was auch geschieht.« Das waren Kais Worte.

Jetzt, so wie Morgan mir zusetzt, bin ich nur ein trotziges Kind,

nicht mehr.

Der Prinz zwang sich, die Fäuste zu öffnen. »Deine Einwände

sind berechtigt, aber ich habe Shin Yodamas feste Zusicherung,

daß die Täuschung gelingen wird.



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